REISE DURCH MEIN BUNTES LEBEN

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Das Isartor, östlichstes Stadttor der historischen Altstadt Münchens. So manche*r wird denken „Ok, noch ein Stadttor“, schnell ein Foto und dann weiter. Andere kennen das Isartor nur vom Vorbeifahren oder Aussteigen aus der S-Bahn. Das Isartor erreicht man nämlich an besten mit jeder S-Bahn.

Das Isartor ist ein historischer Bau. Ein fast vollständig erhaltenes Stadttor, das zwischen 1285 und 1347 errichtet und im 19. Jahrhundert wieder hergestellt wurde. Wie so Vieles in der Münchner Innenstadt wurde auch das Isartor im 2. Weltkrieg durch Bomben schwer beschädigt, wurde aber umfassend saniert, so dass es heute (fast) originalgetreu wiederhergestellt zu besuchen ist. Besonders schön, aber natürlich keine Kuriosität, ist das 20 Meter lange Fresko aus dem 19. Jahrhundert an der Längsfront des Tors.

So viel zu den üblichen Sightseeing Facts, die Kuriositäten erkennt man nur beim näheren Hinschauen.

 

 

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In Bayern gehen die Uhren anders…

Auf dem ersten Blick fällt es einem sicherlich nicht auf, denn mal ehrlich, wer schaut heutzutage noch auf eine Turmuhr. Aber ein genauer Blick lohnt sich in diesem Fall. Seit 2005 gibt es wieder zwei Turmuhren am Südturm des Isartors, erstmal erfreulich aber nichts besonderes. Wenn ma aber genau hinschaut, bemerkt man, dass die zum Isartorplatz hin ganz normal vorwärts geht, die andere zu Tal hin aber rückwärts.

Für diese Besonderheit muss man, finde ich, heute noch Petra Perle (damals Wirtin des Turmstüberls) und dem Münchner Stadtrat (bezeichnenderweise über alle Parteien hinweg) danken, die sich gegenüber dem Denkmalamt durchgesetzt haben und denen München diese Uhr verdankt.

Schon in den 70er Jahren erkannte Willy Brandt am Zustand seiner Partei in Bayern, das hier die Uhren anders gehen. Seitdem ist sein Ausspruch „In Bayern gehen die Uhren anders“ zum geflügelten Wort geworden und ganz ehrlich es stimmt und ich glaube die meisten Bayern sind stolz darauf. Die rückwärtsgehende Uhr ist nur logische Konsequenz daraus und zeigt aber auch, dass die Münchner*innen sich zwar ernst nehmen, aber eben nicht bierernst.

Die Uhr hat aber natürlich auch mit dem Museum, das sich in den Falkentürmen des Tors befindet, zu tun.

Das Valentin-Karlstadt-Musäum

Um es gleich zu sagen, das „ä“ ist kein Schreibfehler. Das Museum heißt so, die kuriose Rechtschreibung ist Absicht und gewollt. Der Name läßt ahnen, es geht um die beiden berühmten Münchner Komödianten Karl Valentin und seiner Lebensgefährtin Lisl Karlstadt. Die beiden Münchner Originale bekamen 1959 zu Recht ein eigenes Museum. 

Die Öffnungszeiten könnten durch die beiden erfunden worden sein: täglich außer mittwochs von 11.01 Uhr bis 17.29 Uhr und außerdem „bei Regenschein, Tag und Nacht, nur von außen und zwar kostenlos“ (Zitat von der Website).

Zu sehen sind viele kuriose Objekte, die mit Valentins Leben zu tun haben oder in Zusammenhang mit seinen Werken stehen. Natürlich auch der Nagel, #an den er seinen Beruf als Schreiner hängte oder der Telefonapparat mit dem er sich als Buchbinder Wanninger durch die Fima Meisl & Compagnie telefonierte. Der Rundgang durch den ersten Stock läßt einen auf jeden Fall andauernd grinsen und schmunzeln. Auch die Daueraustellungen über Lisl Karlstadt, die Volkssänger und die Filme, die man sich ansehen kann, vertreiben das Lächeln ganz sicher auch nicht mehr. 

 

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Das Turmstüberl und sein ganz besonderes Örtchen

Selbst im Restaurant, das im obersten Stock des Turms untergebracht ist, bleibt die gute Laune. Wermutstropfen: man kann nicht einfach dort essen, Café trinken oder nur etwas trinken gehen, der Weg führt immer über das Musäum und so wird auch immer Eintritt fällig. Aber im Ernst, ein Besuch im Turmstüberl ist jeden Cent Eintritt wert.

Essen, trinken und staunen

Schon der Raum ist besonders, weil achteckig. So gibt es hier keine toten dunklen Ecken. Es ist vollgestopft mit Kuriositäten und Exponaten, die wieder einmal zeigen, dass sich die Münchner*innen nicht immer ganz ernst nehmen. Während man also auf Kaffee und herrliche von der Wirtin selbst gebackene Kuchen oder sein Bier und Bayerische Schmankerl wartet, wird einem nicht langweilig, denn egal wohin man schaut, es gibt etwas zu bestaunen. Auf alle Fälle einen laaaaaangen Besuch wert, am besten gleich mehrere, um sich durch alle Kuchen zu probieren.

Das stille Örtchen

Jetzt müssen alle Männer ganz stark sein, denn einen besonderen Ort im Turmstüberl dürfen sie nicht betreten, das Damenklo. Abgefüllt mit Kaffee oder Bier, betritt man also diesen Ort und denkt sich: ich bleibe hier. Liebevoll gestaltet mit Bildern, bemalten Wänden und Objekten bis ins kleinste Detail – einfach sehenswert – ist dieses kuriose stille Örtchen mehr als nur einen Besuch wert.

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Noch ein paar Tipps zum Schluss

Was gibt es zum Schluß noch zu sagen?

Vielleicht soviel. Das Isartor, Valentin-Karlstadt-Musäum und das Turmstüberl sollte man nicht einfach abhaken und im Schnelldurchgang durchpflügen. Zeit lassen, ein bißchen Augenzwinkern und zum Schluß ein gemütliches Bier oder selbstgebackenen Kuchen btraucht mehr als eine halbe Stunde.

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