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REISE DURCH MEIN BUNTES LEBEN

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Wer von Norddeutschland in den Süden fährt oder aus Bayern kommend nach Hamburg möchte, fährt an Hann. Münden vorbei. Eben, vorbei. Niemand fährt ernsthaft ohne Grund von der Autobahn herunter, um sich dieses Städtchen anzuschauen. Mir ging es genauso. Auf dem Roadtrip von München über Friesland nach Portugal legten wir hier einen Übernachtungsstopp ein. Maßgeblich war der Wohnmobilstellplatz, bzw. der Campingplatz auf einer Insel, mitten in der Stadt. Das schien uns reizvoll. Dann erinnerten wir uns auch noch an den Spruch aus der Schulzeit: „Wo Fulda sich und Werra küssen…“ , die meisten werden ihn kennen… Warum also nicht? Warum nicht eine Stadt erkunden, von der ich nichts wusste, die ich nicht kannte und bei der ich auch erst nach längerem Nachdenken darauf kam, dass sie nicht mehr zu Hessen, sondern bereits zu Niedersachsen gehört.

Hann. Münden, wo Werra und Fulda sich küssen …

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Übernachtungsmöglichkeiten in Hann. Münden – mit dem Wohnmobil

 

Da ich mit dem Camper unterwegs bin, kann ich zu Übernachtungsmöglichkeiten in Hotels, Hostels oder ähnlichem wenig sagen. Allerdings ist mir beim Rundgang durch die Stadt durchaus aufgefallen, dass es viele Hinweisschilder für Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen gibt. Außerdem kann man auf der Website der Stadt nachschauen, da gibt es einige Links.

Wohnmobilstellplatz auf der Insel Tanzwerder, ganz nahe am Weserstein

Ein ganz besonderer Stellplatz ist sicher der auf der Insel Tanzwerder, der auch unser Favorit gewesen wäre (leider war er voll).  Er besticht durch seine Lage. Zum einen durch die Nähe zur Stadt (10 Minuten) und die unmittelbare Nähe zum Weserstein, wo sich Werra und Fulda treffen und zur Weser vereinigen. Die Kosten halten sich mit 6,– Euro auch wirklich im Rahmen, zumal der Platz auch über Ver- und Entsorgung und Strom verfügt.

Camping „Grüne Insel Tanzwerder“

Hier gibt es Platz für 40 Wohnmobile. Der Preis ist mit 26 € für WoMo, 2 Erwachsene und einen Hund schon sehr happig, zumal man vor 8.00 Uhr und nach 20.00 Uhr die Duschen etc. des Campingplatzes nicht mehr nutzen kann. Aber dafür steht man wunderschön, am Anfang der Insel Tanzwerder, nur drei Minuten von der Altstadt entfernt.  

Fachwerkstatt Hann. Münden

Mit seinen rund 700 zum Teil reich verzierten Fachwerkhäusern, hat Hann. Münden schon dann etwas zu bieten, wenn man einfach nur durchbummelt und sich nicht gezielt auf die Suche nach Sehenswürdigkeiten macht.

An vielen der gut erhaltenen und schön renovierten Fachwerkhäuser ist gut zu erkennen, dass Hann. Münden schon sehr lange eine sehr reiche Stadt gewesen sein musste. Genau betrachtet, wirken viele der alten Balken wie gedrehte Schiffstauen, die dann noch reich verziert sind. Mit Hilfe der tragenden Balken über den Eingängen, die alle schön beschriftet sind, kann man sich fast durch die Bibel lesen. Mit ein bißchen Zeit entdeckt man viele hübsche Kleinigkeiten an jedem einzelnen Haus. Die Häuser sind wirklich alle sehr liebevoll renoviert und restauriert.

Das Rathaus

Beim Stadtrundgang fällt einem sofort ein Haus auf. Es ist nicht aus Fachwerk gebaut, reich verziert und hat ein Glockenspiel. Das Rathaus von Hann. Münden ist im Stil der Weserrennaissance gebaut und gilt auch als eines der bedeutendsten Bauwerke dieser Epoche. Der ursprüngliche Bau entstand im 14. Jahrhundert, sein heutiges Gesicht erhielt das Rathaus im 17. Jahrhundert.

Ganz etwas Besonderes ist das Glockenspiel, das man drei Mal täglich sehen und hören kann. Um 12.00 Uhr, 15.00 Uhr und 17.00 Uhr gibt es dort eine Szene zu sehen, in der Dr. Eisenbart, der berühmte Wanderarzt, Patienten behandelt. Dazu spielen die Glocken das bekannte Spottlied.

Spuren von Dr. Eisenbart, unter anderem auch sein Grabstein, sind überall in der Stadt zu finden.

 

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Die historische Werrabrücke

Ein wirkliches Must-See ist die Werrabrücke, die seit 1220 steinern hier steht und damit eine der ältesten erhaltenen steinernen Brücken Europas ist. Kurz danach erhielt die Stadt Münden das sog. „Stapelrecht“ vom braunschweiger Herzog Otto I. Dieses Recht besagt, dass durchziehende Händler (auf dem Land oder Fluß) ihre Waren zunächst in Hann. Münden aus- bzw. abladen und den Bürgern der Stadt ein Vorkausfsrecht einräumen mussten. Der Ort, an dem dieser Handel betrieben wurde, war an genau dieser Brücke und ist noch durch einen erhaltenen Kontor deutlich zu erkennen. Erst Ende des 19. Jahrhunderts erlosch dieses Recht. Abgesehen von aller Geschichtsträchtigkeit hat man von hier aus einfach auch einen wunderschönen Blick: auf die Werra, die sich hier gabelt, auf das Schloß, die Fachwerkhäuser der Altstadt und auf die Tillyschanze – ein Traum, wirklich!

Der Weserstein

„Wo Fulda sich und Werra küssen, sie ihren Namen büßen müssen…..“, dieser Vers – natürlich vollständig – steht auf einem Stein, an der Stelle, an der genau das passiert. Genau hier entsteht die Weser. Gerade im Sonnenuntergang ist es schön, hier zu stehen oder unter dem mächtigen alten Baum zu sitzen und auf die drei Flüsse zu schauen, vielleicht auch mal die Gedanken fließen lassen.

Der Weserstein befindet sich sehr nah am Wohnmobilstellplatz und vielleicht 10 Minuten zu Fuß vom Campingplatz entfernt.

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Spaziergang zur Tillyschanze

Gerade mit Hund ist man ja immer froh über Gassirunden-Tipps, aber auch für Nicht-Gassi-Führer*innen ist dieser Spaziergang zu empfehlen.

Vom Campingplatz oder Stellplatz geht man nach Links, Richtung Weserstein. Auf der linken Seite kommt eine Brücke, die Ähnlicjhkeit mit einer Hängebrücke hat. Am anderen Ufer einfach nur den Tilly-Schanzen Wegweisern folgen. Bitte nicht irritieren lassen, denn sie zeigen in zwei Richtungen. Einmal am Fluss entlang und einmal den Berg rauf. Möglich sind beide Wege, aber zuerst den Berg durch den Wald hinauf gehen ist einfach die schönere Wahl. Von der Tillyschanze aus hat man einen unglaublich schönen Blick auf die Stadt. Auch der Rosengarten ist sehenswert. Anscheinend bringt es als Hochzeitspaar auch Glück, im Rosengarten Täfelchen mit den Namen und dem Datum aufzustellen, man findet einige davon. Wer zur richtigen Zeit hier oben ist, kann auch noch den Turm besteigen und wahrscheinlich die auch so schon unglaubliche Aussicht noch  toppen. In die Stadt zurück geht es über sehr viele Treppen, also kein Weg, der kinderwagen- oder rollstuhlgeeignet ist.

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Mein Resumee

 

Ich war wirklich überrascht von dieser kleinen Stadt, die an manchen Ecken sogar so etwas wie eine alternative Szene zu bieten hat. Als Übernachtungsstopp oder für zwei Tage, um ein bißchen Kultur zu tanken und auch zu entspannen, ist Hann. Münden ein durchaus lohnendes Ziel.

Wenn er nicht voll ist, würde ich allerdings auf den Stellplatz beim Weserstein fahren, denn außer Duschen und Toiletten, hat er auch alles an Ver- und Entsorgung, was man braucht, den Rest hat man ja sowieso dabei.