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© Reise durch mein buntes Leben | HankaIch glaube, jedes Kind in München kennt ihn, den Fischbrunnen. Er ist beliebter Treffpunkt und wenn man sich in der Stadt verabredet, dann ganz oft „um … Uhr beim Fischbrunnen“, da kann man sich dann auch wirklich nicht verfehlen und jede*r kennt ihn.

Warum aber der Fischbrunnen? Vielleicht weil er so schön ist. Im Sommer strahlt das Becken türkis und wenn die Sonne drauf scheint, glitzert es richtig. Im Winter, wenn es dann mal so richtig kalt ist, bilden sich an den Figuren dicke Eiszapfen, weil er als einer der wenigen Brunnen in München auch dann nicht abgestellt wird.

Vielleicht hat er aber auch der viel prächtigeren und markanteren Mariensäule den Rang abgelaufen, weil er bereits eine sehr lange Geschichte hat.

Der Fischbrunnen steht seit 1343 immer an derselben Stelle. Er hat diverse Kriege und sogar die Pest überlebt. Selbst die fast vollständige Zerstörung durch Bomben 1944 konnten seinen Wiederaufbau an derselben Stelle nicht verhindern.

Wie kommt man hin?

Der Fischbrunnen befindet sich im nordöstlichen Eck des Marienplatz, direkt vor dem Rathaus.

Am besten nimmt man egal welche S-Bahn, U3 oder U6 und steigt am Marienplatz aus.

An der Oberfäche angekommen, kann man den Fischbrunnen kaum übersehen.

Was ist das Besondere am Fischbrunnen?

Vieles an der Geschichte dieses eigentlich profanen und nicht außergewöhnlichen Münchner Schmuckstücks gefällt mir besonders gut.

  • 1343 wir erstmals ein Brunnen auf dem damaligen Münchner Marktplatz („Schrannenplatz“) an dieser Stelle erwähnt. Damals hieß er noch Bürgerbrunnen und man musste das darin befindliche Grundwasser herausschöpfen.
  • Um die Mitte des 15. Jahrhunderts erhielt München eine Wasserleitung, die es mit Quellwasser von außerhalb der Stadt versorgte. Nach deren Fertigstellung wurde auch eben dieser „Bürgerbrunnen“ angeschlossen. So hatten die Münchner Bürger schon ziemlich früh, ab 1471, fließendes frisches Wasser, wenn auch nicht im eigenen Haus.
  • 1866 wurde der Brunnen völlig neu gestaltet. Der hohe Aufbau in der Mitte bestand aus Bronzeskulpturen. Vier Metzgerburschen standen im Wasser und schöpften Wasser. In der Etage darüber waren musizierende Kinder dargestellt, während über ihnen ein Metzger(alt)geselle einen Becher (mit Bier?) in die Höhe hielt. Ich habe im Museum einmal alte Fotos gesehen. Dieser Brunnen war wirklich wunderschön.
  • 1944 wurde der Fischbrunnen bei einem Bombenangriff zerstört. Sechs Figuren überlebten den Krieg. Mit den drei erhaltenen Metzgerfiguren wurde der Fischbrunnen 1954 neu gestaltet. Seine Form ist die Gleiche geblieben. Die drei Jungmetzger sitzen sitzen nun auf einer Mittelsäule, auf der ein großer Fisch thront. Dieser soll daran erinnern, dass hier früher auch ein Fischmarkt war und gibt dem Brunnen seinen Namen.

Traditionen

Es gibt zwei Traditionen, die die Münchner mit dem Fischbrunnen verbinden.

Metzgersprung

Bis zum 2. Weltkrieg wurden hier die Metzgerlehrlinge am Aschermittwoch „freigesprochen“, indem sie in den Brunnen geworfen wurden. Ein Mords-Spaß!! Damit endete ihre Lehrzeit und sie waren frein – nicht mehr vom Lehrherrn abhängig.

Nach 1945 wurde diese Tradition wieder aufgenommen. Nach 1945 fand er zunächst einmal, 1954 zur Einweihung, statt.

Seit 1995 gibt es ihn wieder regelmäßig, er wurde aber in den September verlegt (der Termin passt wohl besser mit den heutigen Abschlüssen zusammen). Seitdem gibt es einen Dreijahresrhythmus. Der nächste Metzgersprung ist erst im September 2022.

Geldbeutel waschen

Die Tradition des Geldbeutelwaschens kann man bis ins Jahr 1426 zurückverfolgen und fand immer am Aschermittwoch statt.

Die Legende sagt, wenn man am Aschermittwoch seinen Geldbeutel im Fischbrunnen wäscht, dann geht einem das Geld nie aus.

1950, also in einer Zeit, als München gerade erst wieder langsam begann, sich von den Zerstörungen des 2. Weltkriegs zu erholen, ließ der damalige Oberbürgermeister Wimmer diese Tradition wieder aufleben. Seitdem waschen Oberbürgermeister und Stadtkämmerer jedes Jahr das Stadtsäckel im Fischbrunnen. Viele Münchner*innen tun es ihnen gleich. Und es scheint zu wirken: arm ist München ja wirklich nicht!!!