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Ob Sant‘ Antonino wirklich das schönste Dorf Korsikas ist, werden wir in diesem Blogpost gemeinsam herausfinden.

Als ich im Herbst 2019 auf Korsika war, war ich noch völlig blank. Allerdings wurde mir ein Ausflug nach Sant‘ Antonino von allen Seiten als absolutes Muss angepriesen. Eigentlich ein Punkt, der mich grundsätzlich skeptisch macht, denn die „Muss“-Orte sind häufig überlaufen und die hübschen Straßen mit häßlicher chinesischer Massen-Souvenirware zugekleistert. Aber ich habe mich darauf eingelassen und, so viel sei schon verraten, es nicht eine einzige Sekunde bereut.

Sant‘ Antonino, ein besonderes Dorf

Sant' Antonin

Anfahrt nach Sant‘ Antonino

Von Calvi kommend, hat man irgendwann das Gefühl, alle Wege führen nach Sant‘ Antonino. Sobald man von der Hauptstraße abbiegt, fährt man nur noch auf kleinen, manchmal abenteuerlichen Straßen. Schafherden auf der Straße, eine Kuh, die aus dem Straßengraben verwundert auf das vorbeifahrende Auto blickt oder ein von Kugeln durchlöchertes Straßenschild. Neben der wunderschönen Landschaft der Balagne ist es das, was die Fahrt über die Serpentinen nach Sant‘ Antonino so abwechslungsreich macht.

Am Besten, man schmeißt irgendein Navi an und folgt dann einer der angegebenen Routen, alle sind schön und deshalb macht man auf keinen Fall etwas falsch.

In Sant‘ Antonino angekommen, gestaltet sich die Parkplatzsuche einfach, denn es gibt nur einen großen Parkplatz vor dem Ortseingang. Die Parkgebühren sind erträglich, vor allem dann, wenn man sie als Eintrittskarte in dieses wunderschöne Dorf versteht.

Ein paar Fakten zu Sant‘ Antonino

Sant‘ Antonino sitzt fast wie ein Adlernest auf einem Hügel in ungefähr 500m Höhe. Seine Einwohner*innen behaupten, es sei das älteste Dorf Korsikas. Nachgeprüft habe ich es nicht, es ist in meinen Augen aber sicherlich zumindest eins der typischsten. Ursprünglich diente der Ort den Bewohner*innen der Balagne als Rückzugsort, wenn der Landstrich von Piraten angegriffen wurde.

Amtlich bestätigt ist allerdings, dass Sant‘ Antonin nicht nur zu einem der schönsten Dörfer Korsikas, sondern sogar Frankreichs zählt. Das Ortsbild ist geprägt von engen Kopfsteinpflastergassen, die manchmal überwölbt oder gleich unter einer überwölbten Galerie hindurchführen. Unzählige Treppen führen bergauf, verzweigen sich immer wieder und führen letztendlich doch alle auf den Gipfel der Stadt.

San'Antonino
Sant'Antonin
Ein Spaziergang durch Sant‘ Antonino

Jeder Spaziergang durch das Dorf beginnt am großen Parkplatz vor dem Ort. Die Gassen und Kopfsteinpflasterstraßen sind so eng, dass dort keine Autos fahren können. Auch das Fahrrad läßt man am Besten vor dem Ort stehen und läßt sich auf einen Spaziergang ein. Dadurch, dass Sant‘ Antonino sich seinen historischen Charakter bewahrt hat, taucht man schnell in eine mittelalterliche Welt ab.

Dabei fühlt man sich aber nicht wie in einem Museum oder einem toten Ort. Alle Häuser scheinen bewohnt zu sein und die von mir erwarteten furchtbaren Souvenirshops müssen sich mit ihren Auslagen auch zurückhalten, um das Ortsbild nicht zu verschandeln. Das scheint das Geheimrezept des Ortes zu sein. Alles ist verboten, was den typischen Charakter von Sant‘ Antonin verändert.

Und so schlendert wir durch die Gassen, steigen schiefe unregelmäßige Treppen hinauf und wieder hinab und bleiben immer mal wieder stehen, um ein Foto zu machen. Wir bewundern die alten Natursteinhäuser vor denen überall Blumentöpfe mit wunderschön blühenden Blumen stehen. Die Zeit scheint tatsächlich stehengeblieben zu sein, zumal jetzt Ende September an diesem Spätnachmittag kaum Touristen da sind.

Und dann sind wir oben angekommen, ein bißchen aus der Puste aber auch sprachlos, denn der Ausblick egal in welche Richtung ist atemberaubend. Auf die Balagne, das glitzernde Meer und natürlich auf die Gipfel des Gebirges. Spätestens jetzt weiß ich, warum Sant‘ Antonin das schönste Dorf Korsikas ist.

© REISE DURCH MEIN BUNTES LEBEN
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Sant' Antonino
Sant' Antonino
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Sant' Antonino
Essen und Trinken macht glücklich – auch in Sant‘ Antonino

Bummeln macht hungrig und durstig. Aber nicht nur deswegen sollte man diese beiden Locations nicht verpassen.

Clos Antonin

Das „Clos Antonin“ befindet sich am Ortseingang, gegenüber vom Parkplatz und ist genau genommen kein Restaurant. In den liebevoll hergerichteten Gewölben kann man allerlei in Eigenproduktion hergestellte Marmeladen und andere Köstlichkeiten kaufen. Snacks und Käse für den kleinen Hunger gibt es ebenfalls. Aber das, was man hier trinken MUSS ist die Zitronenlimonade aus eigener Produktion (Frisch gepresst), den Apfel-Zitronensaft oder den Traubensaft. Alles kommt aus der eigenen Produktion und wird eisgekühlt serviert. Und dann ist da noch der Wein des Hauses. Nichts weltbewegendes, aber passend zu Korsika und seinen Menschen.

A Stalla

Im „A Stalla“ waren wir abends Essen. Von der wunderschönen Terrasse hat man einen unglaublichen Blick aufs Meer. Besonders schön ist es, mit einem Glas Wein in der Hand von hier oben aus der Sonne beim Untergehen zuzuschauen.

Danach sucht man sich irgendetwas köstliches von der korsisch bodenständigen Karte aus und wird bestimmt nicht enttäuscht. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und so sitzt man hier ewig und genießt die Stimmung und den Wein. Wenn die Heimfahrt nicht wäre…

 

San'
San'Antonino
San'Antonino

Noch ein ganz kleiner Tipp zum Schluß

Wer in Sant’Antonino ist, sollte auch das Nachbardörfchen Pigna besuchen. Pigna war in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts fast ausgestorben und hatte nur noch 60 Einwohner. Inzwischen leben hier wieder über 100 Menschen. Viele davon sind Kunsthandwerker*innen und Künstler*innen.

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