Hätte mir mein Sohn nicht den Tipp gegeben, ich wäre auf meinem Belgientrip nie im Leben nach Gent gefahren, ehrlich gesagt kannte ich es nicht mal, muss ich zu meiner Schande gestehen.

Das wäre ganz schön dumm gewesen, denn Gent muss sich ganz sicher nicht hinter Brügge verstecken. Ganz im Gegenteil, denn die Stadt ist mindestens so malerisch wie das kleinere Brügge und wirkt dabei aber viel mehr wie eine lebendige Stadt als ein Museum. Natürlich gibt es auch hier viele Touristen, aber – vielleicht liegt es daran, dass es eine Universitätsstadt ist – man hat hier trotzdem den Eindruck, dass hier Menschen leben, lieben, arbeiten und einfach ihr Leben genießen. Dabei ist Gent aber immer noch klein genug, um alles zu Fuß zu erkunden und eine Bootsfahrt auf der Leie kann die Eindrücke wunderbar ergänzen. Neben Schokolade, Bier Waffeln und anderen Süßigkeiten haben mir drei Dinge ganz besonders gefallen.

Eine Bootsfahrt auf der Leie

In meinen Augen ist eine Bootsfahrt auf der Leie, die an der Korelei starten, in Gent ein Muss. Man bekommt einen schönen Eindruck von der Stadt, seinen Sehenswürdigkeiten und wenn man Glück hat auch noch einige Anekdoten gratis dazu. Wenn man nicht möchte, muss man den Erklärungen nicht zuhören, man kann auch einfach gemütlich rechts und links schauen, die Schönheit an den Ufern genießen und so manche romantische Ecke entdecken. Die Boote wenden am Schleusenhaus, aber das macht nix, denn man hat ja nochmal genau so lange Zeit, die schönen Häuser zu bewundern.

An einer Stelle fotografieren wirklich alle, die Burg Gravensteen. Es ist die Burg der Grafen von Flandern, eine der größten Wasserburgen Europas und die einzig erhaltene mittelalterliche in Flandern. Für alle, die es gruselig mögen: in der ehemaligen Vorratskammer kann man viele besonders ekelhafte Folterinstrumente sehen. Aber im Ernst, wer etwas über die Geschichte Gents wissen möchte, muss diese Burg besuchen und darf nicht einfach nur daran vorbei fahren.

 

Mein zweites Highlight – die Graslei

Die Graslei liegt gegenüber der Korelei, von wo die Boote wegfahren. Beide Kais waren Teil des mittelalterlichen Hafens der Stadt. Die Graslei beeindruckt vor allem durch die wunderschönen Häuserfronten, aber auch die vielen Straßencafés und Restaurants, wo man überall draußen sitzen kann. Wer mag, kann rumschlendern. Mir hat es gereicht, mich einfach mit einem Bier an die Leie zu setzen und Beine und Seele baumeln zu lassen. Vor dieser Kulisse der wunderschönen Gildehäuser – ein Träumchen.

 

Tipp Nummer drei – der Belfried/Belford

Für den im 14. Jahrhundert entstandenen Belfried von Gent, der zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, sollte man ein bißchen Kondition mitbringen, denn der Turm ist fast 100 Meter hoch. Die Stockwerke sind mit Wendeltreppen verbunden. Auf dem Weg nach oben kann man eine Glockensammlung bewundern (3. Stock), im 5. Stock ist der Uhrmechanismus, der das Glockenspiel steuert zu sehen. Ganz oben erwartet einen das Glockenspiel mit 54 Glocken. Aber so interessant das alles war, der Blick von da oben schlägt wirklich alles und raubt einem fast den Atem.

Alles in allem schlägt nach diesem Besuch mein Herz eher für Gent als für Brügge. Ich werde mit Sicherheit wieder kommen und mich durch Schokolade, Waffeln und alle anderen Süßigkeiten essen. Und abends? Natürlich nach dem Sightseeing auch das eine oder andere Bier an der Korelei trinken.

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