Jörg Kammann: Ein deutsches Klassenzimmer

© Reise durch mein buntes Leben | HankaIch liebe Bücher, nur leider komme ich viel zu selten dazu, überhaupt zu lesen. Nur an einem halte ich tatsächlich fest: ich versuche vor jeder Reise das passende Buch zu lesen.

Nun wird dieses Mal jede*r erwarten, dass hier wieder ein Krimi, diesmal aus Andalusien, vorgestellt wird. Damit kann ich leider nicht dienen. Zum einen habe ich keinen gefunden und zum anderen beschäftigt mich das Thema „Reise oder Urlaub“ sehr. Daher war ich für den Tipp einer Kollegin mehr als dankbar, die mir dieses Buch vorgeschlagen hat: „Ein deutsches Klassenzimmer“ von Jörg Kammann.

 

Auf den ersten Blick hat es nichts mit meiner Art zu reisen zu tun, auf den zweiten sehr wohl.

Nun bin ich keine Lehrerin, Jörg Kammann ist Lehrer und unterrichtet Englisch und Geographie in einer internationalen Vorbereitungsklasse. Und hier beginnen die Parallelen. Ich habe beruflich mit Kindern und Jugendlichen aus aller Welt zu tun und habe eine Ausbildung als interkultureller Coach. Schon aus diesem Grund interessiere ich mich für die Herkunftsländer der Mädchen und Jungs, käme aber nie auf die Idee, ein Saabbatjahr in Somalia, Eritrea oder Syrien zu verbringen, der Autor hatte die Möglichkeit, weil die Heimatländer seiner Schüler*innen sehr viel weniger gefährlich sind.

Jörg Kammann‘s Idee, in einem Sabbatjahr die Heimatländer seiner Schüler*innen zu besuchen und sich jeweils mindestens vier Wochen dort aufzuhalten begeistert mich deshalb. In seine Reisepläne hat er die Klasse einbezogen, im Reisegepäck waren individuelle Reise- und Sprachführer, die seine Schüler*innen für ihn gestaltet haben.

Und so liest man sich kurzweilig durch eine Mischung aus Reiseführer und Roman und bekommt manchmal tatsächlich Lust mit Jörg Kammann zu tauschen, da seine Begegnungen authentisch sind und sehr viel mehr verraten, als jeder Reise- und Kulturführer.

Der Autor hat es geschafft, mich in die mir fremden Länder, mitzunehmen und die ungewohnten und ungewöhnlichen, manchmal sehr bescheidene Lebensverhältnisse und damit verbundenen Herausforderungen zu beschreiben, ohne dass ich mir vorkomme wie ein Voyeur. Jörg Kammann schreibt sehr authentisch und oftmals auch humorvoll, so dass das Lesen ein Spaß bleibt, auch wenn man manchmal innerlich den Kopf schüttelt, weil man seine Sichtweisen nicht versteht.

Ein Lesespaß, der Reiselust weckt, auch wenn er nachdenklich macht. Jörg Kammann zeigt, wie Reisen abseits aller Instagram-Schönheit auch schön sein kann und dass die Schönheit des Reisens oft versteckt hinter den Begegnungen liegt.

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Vor meinem Korsika Urlaub habe ich passend dazu „Der Kopf des Korsen“ von Jean Renard gelesen. Wie mir das gefallen hat, könnt ihr hier nachlesen.