Jetzt, in der Urlaubszeit, komme ich tatsächlich häufiger mal wieder in Erklärungsnot. Auch die verständnislosen Blicke meiner Mitmenschen werden häufiger.

Meistens passiert es dann, wenn sich Gespräche um die nächsten Urlaubsziele, -zeiten oder gebuchten Hotels drehen. Warum? Weil ich ganz häufig noch nicht weiß, wohin ich reise und meistens noch nicht mal genau wann.

Eine Kollegin war vor ein paar Tagen sehr überrascht, als sie verstanden hat, wie sehr mir jetzt schon vor einem bestimmten Termin im November graut. Nämlich vor dem Urlaubsplanungsmeeting. Sie selbst freut sich drauf, ich nicht besonders. Natürlich sehe ich ein, dass es im Berufsleben nötig ist, weil man sich ja gegenseitig vertreten muss.

Gezwungenermaßen mache ich bei der Planerei mit und bin dabei auch bei den anderen sehr beliebt. Allein aus dem Grund, weil ich sehr oft zu allem einfach ja und Amen sage und meine Kolleg*innen dann sehr sehr glücklich sind. Sie beginnen an diesem Tag zu planen, zu buchen und zu träumen. Und ich? Ich träume von mehr Flexibilität und Spontaneität im Arbeitsleben.

Weshalb das? Naja, es ergeben sich im Laufe der Monate meistens so viele schöne spontane Gelegenheiten, wegzufahren. Irgendjemand bringt mich auf eine Reisezielidee oder gute Freunde laden mich einfach ein, mit ihnen den Urlaub zu verbringen.

Manchmal habe ich auch einfach Lust, meine Tochter in London zu besuchen oder bin urlaubsreif und muss spontan weg.

Ihr seht, viele gute Gründe sich bei Kolleg*innen beliebt zu machen und andere wahnsinnig, weil sich meine Wünsche immer wieder ändern.

Natürlich ist es dieses Jahr auch genauso gekommen. Dank des Bonus, den ich mir bereits im November erarbeitet habe, machen meine Kolleg*innen die Spirenzchen mit, solange ich nicht ihre festgetackerten Pläne störe.

Wenn ich genau darüber nachdenke, kann ich dieses Muster auch auf mein Leben übertragen

Ja, es ist tatsächlich so. Mein gesamtes Erwachsenenleben hat mich gelehrt, immer wieder schöne Pläne zu machen und weil das Leben kein Wunschkonzert ist, diese auch genauso schnell wieder zu verwerfen… Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine andere …

Auf die Frage, was ich heute Abend oder in zwei Wochen vorhabe, kann ich meist nur mit einem Achselzucken antworten. Die Blicke aus meinem Umfeld sind dann häufig unbezahlbar und decken manchmal die ganze Palette von Mitleid über Überraschung bis zu Verständnislosigkeit ab.

Ist ja auch wenig nachvollziehbar, in meinem Alter und meiner Position kein von Meetings, Dates und Abendessen durchgeplantes Leben zu führen. Auch jetzt sehe ich schon einige Leser*innen die Köpfe schütteln. Stimmt‘s?

Letzten Februar zum Beispiel: ich hatte bereits im Dezember einen ganz normalen Hotelurlaub in Rincon de la Victoria geplant und gebucht. Was wurde schließlich daraus? Ein unvergesslicher Roadtrip durch Andalusien und mein Hotel habe ich nur beim Ein- und Auschecken gesehen.

Was ich eingestehen muss. So zu leben, hat schon auch zwei Seiten. Es ist anstrengend und gleichzeitig auch richtig gut. Anstrengend deshalb, weil man sich zwar eine gewisse Gelassenheit aneignet, Enttäuschungen natürlich trotzdem vorkommen.

Aber, wie man sich vorstellen kann, es kommt nie auch nur ein Hauch von Langeweile auf und das, was die Planänderung an schönen Momenten und Begegnungen mit sich bringt, macht die kleinen Enttäuschungen locker wett. Mein Leben bleibt dadurch bunt, wird jeden Tag bunter und das Schönste: ich lerne immer wieder unverhofft Menschen kennen, die mich ein längeres oder kürzeres Stück auf dieser Reise begleiten.

Warum sollte ich also nicht weiterhin ungeplant, aber nicht planlos, durch mein Leben reisen,  so wie es Pippi Langstrumpf vorgemacht hat: ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Der Preis dafür? Ein kunterbuntes Leben voller Überraschungen und viele schöne, aufregende und bunte Erinnerungen.

Vielleicht muss ich ja deshalb nicht zu den Farbenkick-Zielen in Asien und Südamerika fliegen? Ich brauche im Urlaub nicht so viel Kontrast und keinen Farbkick, denn mein Alltag ist bunt genug.

Ist euch schon mal aufgefallen, dass sich die meisten Menschen sogar, wahrscheinlich ganz unbewusst, ihren Urlaub nach einem Farbkick aussuchen? Wie sind Reisewebsites, –kataloge oder -portale gestaltet? Eher nicht edel in schwarzweiß, oder? Welche Fotos wecken sofort Reisesehnsucht? Genau, der azurblaue Himmel, der bunte Sonnenuntergang oder die sattgrüne, bunt gesprenkelte Bergwiese. Eher auf jeden Fall,  als das coole schwarz-weiss Bild von irgendeinem tollen lost place.

Vielleicht ist es ja meine bunte Reise durch mein Leben, die mich in der Reiseplanung für den Urlaub so entspannt sein lässt. Ich habe den Farbkick immer und nicht nur im Urlaub.

Versucht es auch einmal. Plant weniger und lasst euch einfach vom bunten prallen Leben überraschen.