BEI MIR HAT GIRONA BARCELONA DEN RANG ABGELAUFEN …

© Reise durch mein buntes Leben | HankaIm Herbst 2018 war ich zehn Tage allein an der Costa Brava. Die Wahl fiel auf einen kleinen Ort an der Küste, der nur zwei Kriterien erfüllen musste: es sollte einen schönen Strand und einen Bahnhof geben, damit ich bei schlechtem Wetter schnell Barcelona erreichen kann. Beides erfüllt Pineda del Mar und so flog ich hin.

Wie es dort war, mit Strand, Wetter und der Schwierigkeit, Ende Oktober überhaupt noch eine offene Strandbar zu finden, ist eine andere Geschichte…

In der zweiten Hälfte meines Urlaubs wurde das Wetter kühler und ab und zu regnete es. Ausweichmöglichkeit Nummer eins war natürlich Barcelona. Nach dem zweiten Barcelonatag hatte ich dann richtig Lust auf etwas Neues und Unbekanntes. Die Wahl fiel auf Girona, obwohl ich keine Ahnung hatte, was mich dort erwartet. Also setzte ich mich am nächsten Tag in den Zug  und fuhr hin.

Sofort verzaubert …

Weil ich mich entgegen meiner Gewohnheit gar nicht eingelesen hatte, erwartete ich wenig. Vielleicht war das auch der Grund dafür, dass ich mich bereits auf dem Weg vom Bahnhof in die Altstadt in diese hübsche kleine Stadt schockverliebt habe. All die bunten Häuser, die sich im Onyar spiegeln, zauberhaft.

Über eine von Gustav Eiffel erbaute rote Stahlbrücke, die Pont de les Peixateries Velles, geht es von der Neustadt in die Altstadt. Auch bei Regen ist sie ein beliebtes und begehrtes Fotomotiv, weshalb es gar nicht so einfach war einigermaßen vernünftige Bilder zu machen. Überhaupt bieten die vielen Brücken immer wieder unterschiedliche Perspektiven auf die Stadt.

In der Altstadt (Barri Vell) angekommen, bin ich trotz des zunächst wirklich ausgesprochen ekelhaften© Reise durch mein buntes Leben | Girona Wetters, stundenlang durch die verwinkelten Altstadtgassen und das alte jüdische Viertel (El Call) gelaufen. Hinter wirklich jeder Ecke gab es etwas Neues zu entdecken und manchmal fühlte man sich zurückversetzt ins Mittelalter. Was ich vorher nicht wusste, auch viele Szenen von Game of Thrones wurden hier gedreht, was man sich wirklich gut vorstellen kann.

Die Kathedrale Santa Maria

Da ich Kirchen und Kathedralen liebe, stelle ich mich später natürlich an der langen Schlange der Wartenden an und besuche die Kathedrale Santa Maria. Ihr Bau begann bereits im 11. Jahrhundert, vollendet wurde sie erst im achtzehnten Jahrhundert. Endlich drinnen, schon wieder ein Moment, der mir den Atem raubt, denn der mächtige Saalbau ist wirklich beeindruckend.

Das Kirchenschiff ist nach dem Petersdom das zweit grösste Kirchenschiff der Welt und mit 23 Metern das breiteste überhaupt. Ich war besonders fasziniert vom Hochaltar mit seinem silbern schimmernden Baldachin und natürlich der Schöpfungsteppich. Ehrlich gesagt habe ich auch nach zwei Stunden in der Kathedrale noch nicht alle Schätze, die sie beherbergt gesehen und die Katakomben ganz ausgelassen. © Reise durch mein buntes Leben | Girona

Vor der Kathedrale steht man auf der mächtigen Treppe mit ihren 90 Stufen.

Vielen wird sie aus Game of Thrones bekannt vorkommen, denn genau wie in der Altstadt wurden auch hier viele Szenen gedreht. Auf den Stufen zu sitzen und all den Touristen zuzusehen, wie sie versuchen, von sich und der Kathedrale oder von der gesamten Treppe Selfies zu machen – herrlich!

Die Banys Àrabs

Nach einer kurzen Pause geht‘s weiter und ich stolpere quasi gleich um die Ecke über die arabischen Bäder. Zuerst dachte ich ja, dass es sich um eine Badeanlage aus der Zeit der Mauren handelt.

Tatsächlich ist es ein im 12. Jahrhundert errichteter Ort für die christlichen Bewohner der Stadt. Diese römischen Bäder wurden lediglich den typisch nordafrikanischen Bädern nachempfunden. Sie sind unglaublich gut erhalten und es gibt wieder viele kleine und große Details zu entdecken.

Game of Thrones Fans kommen auch hier auf ihre Kosten, denn auch bei den Bädern dreht es sich um eine Location für die Serie.

Ein Spaziergang auf der Stadtmauer

Weiter geht‘s auf einen Spaziergang auf der Stadtmauer, Passeig de la Muralla, und der lohnt sich bei jedem Wetter. Auf der wirklich gut erhaltenen Mauer, die fast die gesamte Altstadt umschließt, kann man die Stadt aus vielen Perspektiven von oben sehen und das kostet keinen Cent. Der Spaziergang dauert ungefähr eine Stunde, eine Stunde, die wirklich besonders ist.

Zurück zum Bahnhof laufe ich wieder durch die wunderbare fast mystische Altstadt, in der man sich, weil sie so verwinkelt ist, auch schnell mal verlaufen kann. Da auch mir das passiert ist, habe ich mich in eine der kleinen Cafés gesetzt und erstmal den besten Crêpe meines Lebens gegessen.

Auf der Rückfahrt ans Meer sitze ich mit einem seligen Grinsen und vielen schönen Erinnerungen im Gepäck im Zug. Eins weiß ich genau: ich muss noch einmal nach Girona, denn ich habe mich ein bisschen in die Stadt verliebt und es gibt noch viel mehr zu entdecken.