© Reise durch mein buntes Leben | HankaWie oft bin ich schon auf dem Weg vom Odeonsplatz zur Oper, den Kammerspielen oder auf eine Demo an der Residenz vorbeigerannt. Aber reingegangen? Ja, als Kind mit der Schule oder den Eltern vielleicht, aber danach? Nie mehr, bis heute.

Denn jetzt habe ich es endlich geschafft und bin total begeistert.

Das ehemalige Stadtschloss der Wittelsbacher liegt im Herzen von München. Aber anders als Schloss Nymphenburg oder Schloss Schleißheim kommt es von außen eher unscheinbar daher.

 

Wie kommt man hin?

Wie zu den meisten Orten in der Münchner Innenstadt, fährt man auch zur Residenz am allerbesten mit den Öffentlichen.

Mit der U3, U4, U5 oder U6 bis zum Odeonsplatz ist es am allereinfachsten.

Für alle, die bereits am Marienplatz sind: einfach am Beck und Dallmayr vorbei und über den Wittelsbacher Platz gehen und schon ist man da.

Alle, die im Englischen Garten oder an der Uni waren ist es noch leichter: sie müssen einfach nur die wunderschöne Ludwigsstraße runtergehen und schon sind sie am Odeonsplatz.

Von dort aus einfach die Residenzstraße nehmen (die linke der beiden Straßen). Auf der rechten Seite sieht man zunächst die Feldherrnhalle und danach kreuzt man die Viscardigasse – auch Drückebergergasserl genannt (diese Straße nahmen in der Nazizeit die Münchener*innen, die in die Theatinerstraße wollten, es aber ablehnten, vor der Feldherrnhalle mit erhobenem Arm zu grüßen).

Auf der linken Seite der Residenzstraße befinden sich die vier Löwen, deren Nasen man immer streicheln sollte, um Glück zu haben (wer mehr darüber wissen möchte, kann das in diesem Blogpost nachlesen)

Eingang und Preise

Die Residenz hat zwei Eingänge: einer vom Wittelsbacher Platz und einer von der Residenzstraße aus.

Der Eintritt kostet 9 €, ermäßigt 8 €. Man kann auch auch das Gesamtpaket (inklusive Schatzkammer und Cuvilliés-Theater) buchen, dann kostet es 17€ oder ermäßigt 14,50 €.

Im Winter sollte man an der Garderobe tatsächlich nur Rucksack oder Tasche abgeben, da die Räume zum ganz großen Teil ungeheizt sind.

Das Residenzmuseum

Ja, in München besichtigt man nicht einfach nur ein Schloss, es ist ein Museum.

Da bei den Bombenangriffen im Frühjahr 1944 ein Großteil der Residenz zerstört wurde, konnte einiges nicht mehr rekonstruiert werden.

Ehrlich gesagt, ich war freudig überrascht, dass so Vieles gerettet, wiederaufgebaut und schon in den 1950er Jahren für Besucher*innen wiedereröffnet werden konnte. Gottseidank waren viele der wertvollen Möbel, Bilder, Porzellan …. schon vorher an sicheren Orten und in Bunkern gelagert wurde. Trotzdem dauerte es bis in die 1980er Jahre, bis man alle Räume sehen konnte.

In der Residenz kann man 130 (!) Räume besichtigen. Entsprechend seiner fast 600 jährigen Geschichte führt der Rundgang durch die historischen Raumensembles durch die unterschiedlichsten Epochenstile. Geprägt sind die Räume aber nicht nur durch die Epochen sonder auch durch die verschiedenen Geschmäcker der Herzöge, Kurfürsten und Könige im Laufe der Jahrhunderte.

Aufgrund der Masse werde ich hier nur Fotos und persönliche Eindrücke von meinen Lieblingsräumen beschreiben.

Der Grottenhof

Der Grottenhof ist einer der ältesten Teile der Residenz und entstand schon am Ende des 16. Jahrhunderts. Ehrlich gesagt bleibt einem der Mund da schon ein bißchen offen stehen. Dass dieses Ensemble aus Farbe, Muscheln und einem Tropfsteinbrunnen wirklich schon vor 500 Jahren geschaffen wurde, ist kaum zu glauben.

Der Saal der Fürsten

Er stammt aus dem 17. Jahrhundert. Fürsten lebten hier ja immer, deswegen stammt der Name vom Deckengemälde.

Die Reichen Zimmer

Meine absoluten Favoriten sind aber die sogenannten Reichen Zimmer. Sie wurden im 18. Jahrhundert von Cuvilliés d.Ä. entworfen. Kurfürst Karl Albrecht wollte mit ihnen seinen Anspruch auf den Kaiserthron dokumentieren. Sie stellen einen Höhepunkt des höfischen Rokoko dar und das sieht man in jedem einzelnen Raum. Da bleibt einem fast die Spucke weg und man kann sich richtig vorstellen, wie der Kurfürst damals hier Hof hielt.

Die Räume, wie auch das Paradeschlafzimmer dienten ausschließlich Repräsentationszwecken und waren nicht für‘s Privatleben bestimmt.

Königsbau

Auch die Räume des Königsbaus sind beeindruckend und zwar alle. Sowohl die von Königin Therese, als auch die von König Ludwig I sind prunkvoll und aufwändig gestaltet, aber eben nicht im Rokokostyle sondern klassizistisch.

Ich kann mir vorstellen, dass sich an solchen Räumen heutige Potentaten und reiche Möchtegerns orientieren.

Mein Fazit

Nach zwei Stunden war ich am Ende angelangt, allerdings hatte ich keinen Audioguide dabei. Mit Audioguide braucht man bestimmt drei Stunden und jede Einzelne davon lohnt sich, wenn man sich dafür interessiert.

Interessant fand ich auch die Porzellan und Tafelserviceausstellungen und die mitgelieferten Geschichten rund ums Essen bei Hof.

Nach diesem Kulturoverload habe ich mir erst einmal einen Kaffee geholt und mich auf die Stufen der Residenz am Max-Josef-Platz gesetzt. Einfach nur sitzen, mir scheint die Sonne ins Gesicht, ich beobachte träge die Leute und lasse die schönen Eindrücke nachwirken.